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Siviri (Chalkidiki / Griechenland) - Juni 2004
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1. Tag - 03.06.2004 (Donnerstag)


Wie fange ich an? – Dies soll mal wieder eine dieser ominösen Reiseerzählungen werden, von denen ich jedesmal behaupte, sie nicht gerne zu schreiben, weil ich sie für überflüssig hielte und sie niemanden interessieren würden.

Mach dir keinen Druck meint Su gerade, eben von der entfernt liegenden Toilette im Hotel Siviris kommend und mich nicht mehr motivierend als das leicht umgeschlagene Wetter. Es war kälter geworden und begann zu nieseln. Das eben noch appetitliche Türkisblau des träge schaukelnden Meeres war einem Tristgrau gewichen. Der Himmel, gerade noch blauweiß durchwachsen wie die hiesigen Nationalfarben, war innerhalb weniger Minuten gleichmäßig grau geworden und ließ den Sonnenstrahlen keine Chance. Was also sollte mich bewegen, diese Geschichte endlich anzufangen?

Wahrscheinlich begann langsam der gute griechische Rotwein zu wirken. Womöglich war ich gesättigt von schwarzen Oliven, gegrilltem Feta, griechischem Salat aus fleischigen, tiefroten Tomaten, frischen Gurkenstücken, Gemüsezwiebeln und herzhaftem Schafskäse.

Vielleicht war es auch die entspannte Atmosphäre auf der rustikal überdachten Terrasse des Hotel Siviris an der Strandpromenade des gleichnamigen Ortes.

Urplötzlich war der Himmel wieder aufgeklart und das silbern glitzernde Meer ließ einen die Augen zukneifen beim Blick auf den wie mit einem Lineal gezogenen Horizont. Jedenfalls war ich jetzt, gegen 17:15 Uhr Ortszeit, also Viertel nach Vier nach deutscher Zeit, endlich bereit, dieses Schriftstück anzufangen.

Der Regen hatte längst aufgehört, es wurde wieder wärmer, hinter mir schnatterte und palaverte eine Gruppe Einheimischer, die ausgiebig getafelt hatten.

Über unseren Köpfen zwitscherten junge Schwalben im Rhythmus der mit Futter heimkommenden Eltern und Su stand nach erfolgreichem Einprogrammieren der Landesvorwahl mit ihrem Handy am unaufhörlich rauschenden Meer, ihrer Schwester telefonisch zum Geburtstag gratulierend.

Also hätte ich jetzt – nach Stunden – endlich anfangen können. Aber wieder nix, wir wollten um 18:00 Uhr rechtzeitig zum Reiseleitungs-Begrüßungstreffen in unserem Appartement-Hotel Argo sein. Also schnell noch Ton Logariasmo parakaló (die Rechnung bitte) und...

...nun sind es anderthalb Stunden später. Wir sind durch die Reiseleiterin von Alltours, die ihr Programm im nahegelegenen Hotel Jenny vor einer Minigruppe (ein anderes Paar und wir) beschrieben und prompt für alle eine Schiffsrundfahrt (entlang der Westküste der nur von Mönchen bewohnten Halbinsel Athos) gebucht hatte, ein wenig schlauer und wegen der 35,- Euro pro Person für diese Tagestour ein wenig ärmer.

Jetzt sitzen wir nach kurzem Umziehen wie gestern Abend wieder unter der großen Plastikmarkise der Fischtaverne O Diamantis (also auf Griechisch: ΨΑΡΟΤΑΒΕΡΝΑ Ο Διαμαντής). Während Su im Reiseführer die Chalkidiki studiert, bemühe ich mich, bei einem halben Liter Weißwein für günstige 2,50 € und 1½ Liter Tafelwasser für nur einen unglaublichen Euro, endlich einen Anfang für diese Erzählung zu finden.

Also: Es war einmal... ...an einem tristen, weil regnerischen Mittwoch Abend, genauer am 2. Juni 2004, als Su und ich den wohlweislich reservierten Tisch Nr. 1 im wohl bekannten argentinischen Steakhaus La Venta belegten und den Abend bei einem äußerst wohlschmeckenden Menü aus Steak, Salat, Backkartoffel und Baguette verbrachten.

Der Kenner meiner Geschichten weiß, was das bedeutet: Es stand mal wieder eine Reise bevor! Und wohin? – Ans Mittelmeer - natürlich! Aber diesmal nicht nach Mallorca (das war ja erst zwei Monate her!). Diesmal hatten wir uns für das nordöstliche Griechenland entschieden, genauer das Gebiet der Chalkidiki, noch genauer die Halbinsel Kassandra, also der linke der drei Finger, 90 Kilometer von Thessaloniki entfernt.

Dort liegt an der Westküste das kleine Fischerdorf Siviri, wo wir nach stundenlanger Inselrundfahrt gegen 9:30 Uhr Ortszeit im Argo ankamen, nachdem wir bereits um 2:30 Uhr am Donnerstag früh in Köln abgeflogen waren.

Schon am kuschelig kleinen Flughafen in Thessaloniki waren mir die ungewohnten Gerüche von Pfefferminze und Maggikraut (also Liebstöckel) aufgefallen. Hier an der Küste kamen weitere fremdartige Düfte wie Zimt, Koriander und andere nicht definierbare hinzu.

Das kleine Appartement-Hotel Argo mit seinen spartanisch (eben griechisch...), aber zweckmäßig und beinahe sauber eingerichteten Studios lag etwa 300 Meter landeinwärts an einem versumpften Bach, was uns allabendlich und leider auch nachts ein- und aufdringliche Froschkonzerte bescherte.

Zur Abwechslung konnte man tagsüber die unermüdlichen und reichlich vorhandenen Schwalben bei der Fütterung ihrer Jungen beobachten, deren Nester, dicht gedrängt in allen Dachnischen, geduldet wurden. Später bemerkten wir, dass diese Vögel überall gern gesehen waren (auch direkt über den Tischen auf der großzügigen Terrasse des Siviris), da sie unaufhörlich damit beschäftigt waren, durch ihre faszinierend zielsichere Luftakrobatik den Mückenbestand zu dezimieren.

Dies gelang jedoch so unzureichend, dass wir uns am Samstag zum Kauf eines Insektensprays hinreißen ließen, denn die vorangegangene Nacht hatte buchstäblich ihre Spuren hinterlassen. Nachdem wir uns nämlich nach erfolgloser Abwehr der unaufhörlichen Attacken gegen 3:00 Uhr endlich entschlossen hatten, den Kampf aufzunehmen, liefen und sprangen wir durch unser Zimmer, mit Handtuch, Schuh und Buch bewaffnet und hatten nach einer aufreibenden Schlacht und 15 bis 20 Mücken später unser Territorium verteidigt.

Überall an den Wänden klebten kleine rote Flecken von den Kampfspuren, sämtliche Hotelgäste waren sicher inzwischen wach geworden von unseren Schlägen und Sprüngen und wir konnten endlich einschlafen, nachdem ich im Dunkeln – inzwischen trainiert – die letzte Mücke mit der Hand gefangen hatte. Dann wurde es langsam hell...

Aber ich bin ein wenig abgeschwiffen. Hier unter dem schützenden Dach der Siviris-Terrasse mit Blick auf das majestätisch glitzernde Wasser sitzt es sich auf den einfachen Hockern aber auch zu gut. Mal ein paar Oliven knabbern, einen Schluck trockenen Landwein schlürfen oder zum Mixed Grill (gemischtem Fleisch vom offenen Rost) in pikant angemachtem Schafskäse (griechisch: Χτυητή) rumstochern und zwischen planschenden Kindern langsam die Sonne untergehen sehen; da vergisst man Zeit und Raum... aber zurück zum Ankunftstag:

Übermüdet wie wir waren, gingen wir, kaum dass uns der Portier das Zimmer 26 im zweiten Stock zugewiesen hatte, los, um die nähere Umgebung zu ergründen. Erfolglos bemühte ich mich, meine Enttäuschung über den ersten Eindruck des tristen und heruntergekommenen Ortes zu verbergen.

Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass es ja schon in einer Woche vorbei sei. Vielleicht war es aber auch nur die Müdigkeit, also ruhig bleiben und abwarten. Jetzt war uns erst mal nach einem Cappuccino zu Mute. Die vielen verwahrlosten wie verwaisten Gastronomiebetriebe ließen – vor allem zu dieser Tageszeit – aber keine große Hoffnung aufkommen und so gab es erst mal in der sogar im Reiseführer erwähnten Fischtaverne O Diamantis ein erfrischendes einheimisches Bier (Mythos) und einen Teller mit herzhaftem Zaziki. Dann war für uns Mittagsschlaf angesagt...

Wenige Stunden später, es war noch hell, fanden wir uns erneut im Diamantis wieder zu einem Bifteki mit griechischem Salat. Hinterher brachte uns der Wirt kostenlose Griesstückchen in Zimt. Dann war es genug für heute.

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